Episode 74: Liebe für die Ohren ... die eigene Stimme als Abschiedsgeschenk

Shownotes

Was bleibt von einem Menschen, wenn er nicht mehr da ist?

Ein Foto. Ein Brief. Kleidung oder andere Erinnerungs-Stücke. Aber vielleicht vor allem: seine Stimme?!

Die Stimme, die einen beim Namen nennt. Die lacht. Die eine Geschichte aus der eigenen Kindheit erzählt, die ein Lied singt oder die sagt: „Weißt du noch damals …?“

Es gibt Kinder, die können ihren Eltern irgendwann keine Fragen mehr stellen. Und sie werden die Stimmen ihrer Eltern / eines Elternteils nicht mehr hören können …weil Ihre Eltern unheilbar erkrankt sind.

Und genau in dieser Situation kommt das wunderbare Projekt der Familienhörbuch gGmbH zum Wirken, denn die Stimmen der Eltern möchte das Familienhörbuch bewahren.

So können unheilbar erkrankte Mütter und Väter, ihre Lebensgeschichte für ihre minderjährigen Kinder erzählen, mit ihrer eigenen Stimme, ihren eignen Worten und in ihrem eigenen Tempo. Und diese Aufnahmen werden professionell begleitet, persönlich und für die Familien kostenfrei.

Und ganz wichtig! Dabei geht es ausdrücklich nicht um eine Sterbegeschichte. Es geht um ein ganzes Leben.

  • Um Liebe und Schmerz.
  • Um Kindheit und Erwachsenwerden.
  • Um Glücksmomente, Familie, gemeinsames Lachen oder vielleicht auch weinen, also um die vielen kleinen Geschichten, die sonst irgendwann verlorengehen könnten.

Heute ist Judith Grümmer mein Podcast-Gast, sie ist die Gründerin und Geschäftsführerin des Familienhörbuchs.

Wir sprechen darüber, was passiert, wenn Menschen am Ende ihres Lebens auf ihr Leben zurückblicken & was Kinder von ihren Eltern brauchen, wenn diese nicht mehr da sein werden.

Und wir sprechen auch über eine einfach und gleichzeitig sehr, sehr große Frage: Was soll von uns bleiben?

Herzlichst Ihre Claudia Lutschewitz

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00:00:00: Was bleibt von einem Menschen, wenn er nicht mehr da ist?

00:00:05: Ein Foto, ein Brief, Kleidung oder einige andere Erinnerungsstücke.

00:00:12: Aber vielleicht auch vor allem seine Stimme – die Stimme, die einen beim Namen nennt!

00:00:19: Die lacht, die eine Geschichte aus der eigenen Kindheit erzählt, die ein Lied singt oder die einfach nur sagt, weißt du noch

00:00:26: damals?!

00:00:28: Es gibt Kinder Die können ihren Eltern irgendwann keine Fragen mehr stellen und sie werden die Stimme ihrer Eltern eines Elternteils nicht mehr hören können, weil ihre Eltern unheilbar erkrankt sind.

00:00:42: Und genau in dieser Situation kommt das wunderbare Projekt der Familienhörbuch Gemeinnitz GGBH zum Wirken – denn die Stimmen der Eltern möchte das Familienhürbuch bewahren!

00:00:56: So können unheilbar erkrankte Mütter und Väter ihre Lebensgeschichte für ihre minderjährigen Kinder erzählen, mit ihrer eigenen Stimme, ihren eigenen Worten und in ihrem eigenen Tempo.

00:01:08: Und diese Aufnahmen werden professionell begleitet – persönlich und für die Familien kostenfrei!

00:01:15: Und ganz wichtig dabei geht es ausdrücklich nicht um eine Sterbegeschichte.

00:01:20: Nein, es geht um das ganze Leben, um Liebe und Schmerz um Kindheit und Erwachsenwerden, um Glücksmomente, Familie.

00:01:29: Gemeinsames Lachen oder vielleicht auch Weinen also um die vielen kleinen Geschichten, die sonst irgendwann verloren gehen könnten.

00:01:37: Heute ist Judith Krümmer mein Podcast-Gast.

00:01:40: sie ist die Gründerin und Geschäftsführerin des Familienhöhrbuchs.

00:01:45: wir sprechen darüber was passiert wenn Menschen am Ende ihres Lebens auf ihr Leben zurückblicken was Kinder von ihren Eltern brauchen, wenn diese nicht mehr da sein werden.

00:01:56: Und wir sprechen auch über eine einfache und gleichzeitig sehr, sehr große Frage – Was soll von uns bleiben?

00:02:11: Hallo!

00:02:12: Und herzlich willkommen zum Podcast Soziologische Perspektiven.

00:02:17: In diesem Podcast geht es um politisches und menschliches.

00:02:22: Die Gespräche mit meinen Gästen sollen Gedankenfunken streuen und es sollen damit gerne weitere Feuer entfacht werden.

00:02:29: Denn Veränderungen gelingen uns Menschen dann, wenn wir einen gemeinsamen Diskurs finden!

00:02:36: Und der Grundstock dafür sind Dialog-Gemeinsames Denken & Nachdenken.

00:02:42: Dazu kann dieser Podcast anregen oder auch irritieren – ganz wie sie wünschen und wie Sie es zulassen.

00:02:51: Audio, guten Morgen Judith.

00:03:00: Guten Morgen Claudia!

00:03:02: Ich habe mich sehr auf sie gefreut weil ich ihr Projekt sehr spannend finde und auch grandios an dem wunderbare gesellschaftliche Aufgabe erfüllt.

00:03:10: dieses Projekt so finde ich und ich war auch sehr neugierig auf Sie als Person was Sie jetzt so auf meine Fragen antworten wie Sie so wirken auch hier im Zoomraum.

00:03:20: also ich war sehr neuguirisch das gestehe ich.

00:03:24: Danke danke

00:03:27: Judith, ich gehe gleich in medias Rees.

00:03:29: Außer Sie haben im Vorfeld irgendeine Frage an mich und Wunsch?

00:03:33: Alles gut!

00:03:33: Ich bin sehr gespannt auf Ihre Fragen.

00:03:35: Gut dann starte ich gleich durch.

00:03:38: Judith wenn Sie so eine Stimme aus Ihrem Leben denken die sie vielleicht schon länger nicht mehr gehört haben vielleicht so dreißig Jahre oder ein bisschen kürzer oder ein bißchen länger.

00:03:47: erinnern Sie diese Stimme noch?

00:03:50: Und wenn ja wie?

00:03:53: Also ich habe wirklich tatsächlich ein sehr langes Stimmengedächtnis.

00:03:57: Das liegt sicherlich daran, dass ich mein ganzes Berufsleben einfach mit Stimmen zu tun hatte.

00:04:04: Mir passiert es tatsächlich manchmal, dass Ich irgendwo zum Beispiel in einem Restaurant sitze und ich höre eine Stimme Und bei mir entstehen dann Bilder ohne dass es bewusst ist.

00:04:16: Ich sehe mich mit jemanden irgendwo sitzen Und es kommt eine Situation in den Kopf und dann drehe ich mich um, und ich weiß gar nicht mehr den Namen.

00:04:26: Ich weiß auch nicht mehr wann das war aber ich weiß noch die Geschichte, die wir zusammen aufgenommen haben oder die ich gehört habe und ich sehe mich dann da plötzlich sitzen und dann weiß ich ja genau.

00:04:40: Manchmal wenn sich die Situation ergibt, sagen wir kennen uns doch sie haben noch damals so und ja und dann stimmt das und das finde ich also verblüffend.

00:04:49: Wobei das ist sicherlich so dieses professionelle Stimmengedächtnis.

00:04:54: Denn ich weiß auf der anderen Seite, dass Stimme wirklich das Erste ist was Menschen vergessen wenn ein geliebter Mensch eben nicht mehr in dem Leben stattfindet entweder weil er weggezogen ist, weil man sich aus den Augen verloren hat oder weil er eben verstorben ist.

00:05:10: Trotzdem entstehen eher Bilder die dann kommen.

00:05:14: also ich kann mich erinnern Ich saß mal mit einer Frau da und die kannte ich schon länger.

00:05:21: Aber mich hatte noch nie richtig unterhalten, das war eine Sportkollegin.

00:05:27: Wir haben zum Sport gemacht.

00:05:30: Die waren auch ein Teil älter als ich.

00:05:32: Und plötzlich kamen wir auf ihren Beruf und hatten uns unterhalten.

00:05:37: Dann sah ich, dass drehte sich fast in meinem Kopf Und er hatte einen Mikrofon in der Hand.

00:05:46: Ich dachte, was ist das denn?

00:05:48: Dann habe ich gefragt, sag mal ... Du warst Kindergärtnerin damals.

00:05:52: Kann es sein, dass ich bei dir im Kindergarten ein Interview gemacht hab?

00:05:56: Das war dreißig Jahre her und es stimmte!

00:05:59: Dann fiel mir das Thema ein und dann war's da.

00:06:01: Das war diese ... Die Stimme, ich habe immer irgendwas nur.

00:06:04: Ich habe die Sportkolleginnen nicht mit einem Interview, was ich irgendwo in Nordrhein-Westfalen geführt habe, in Verbindung gebracht.

00:06:13: Aber es fehlte, aber es hat mich immer irritiert.

00:06:16: Die wenigen Mal haben wir uns einmal richtig unterhalten und ich habe richtig die Stimme gehört und bekam dann das Stichwort Kindergarten und woops!

00:06:23: Also es gibt so ein langes Gedächtnis.

00:06:26: Ich glaube dass ist wirklich meiner Profession geschuldet.

00:06:28: also das darf man jetzt nicht irgendwie enttäuscht sagen.

00:06:30: oh ich kann mich gar nicht erinnern wenn jetzt Leute das hören nee das ist glaube ich eine berufliche Sache.

00:06:36: Ist es denn auch der Grundstein gewesen Familienbuch gegründet haben?

00:06:41: oder was ist Ihnen da durch Herz und Horn mehr andert?

00:06:44: Das liegt allen tatsächlich noch länger zurück.

00:06:47: Also ich habe sehr früh angefangen journalistisch zu arbeiten, weil ich mir mein Studium damit schon finanziert hab.

00:06:53: Ich habe von zu Hause kein Geld bekommen können sehr, sehr früh schon dann im Medizinjournalismus gearbeitet und hatte schon als Anfang zwanzigjährige mit Tod- und Sterben mit den Themen zu tun.

00:07:06: Weil ich da auch wiederum aus biografischen Gründen – Ich bin dem Tod sehr früh begegnet – auch nicht diese Berührungsängste hatte Und das war die Zeit in der AIDS aufkam und ich traute mich mit diesen Menschen Interviews zu machen Und die haben mir auch ganz viel erzählt, weil sie irgendwie gespürt haben diese junge Göhre sag ich damals.

00:07:29: Die hat da irgendwo eine tiefe Vertrauenschaft.

00:07:36: und als sich dann Mutter wurde ... Da hab' ich mir oft Gedanken gemacht es werden ja nicht nur die anderen von Krankheiten belastet oder sind sterblich... Ich bin sterblig!

00:07:46: Was wäre wenn ich wüsste?

00:07:48: Ich müsste bald sterben.

00:07:51: Damals hab ich mir gedacht, ich würde ein Kassettenrekorder voll quatschen.

00:07:54: Weil das war für mich klar, dass sich die Stimme und mein Lachen und meine Nachdenklichkeit und meinen Übermut und meine guten und weniger guten Gedanken ... Dass ich das irgendwie nicht zu Papier bringen sondern halt auf einem Kassettenrekorder festhalten wollen würde für meine

00:08:13: Kinder.".

00:08:15: Ja und das ist mir dann nicht mehr zum Kopf gegangen.

00:08:17: Und ja, und dann, thirty-fünf Jahre später habe ich dann begonnen diese Idee von damals in die Tat umzusetzen als meine Kinder erwachsen waren und die Digitalisierung eben auch sofort geschritten war.

00:08:30: Das war ja in den achtziger Jahren gab es alles noch nicht und da hätte sich das gar nicht leisten können rein technisch.

00:08:37: Jahre später dann eben schon

00:08:41: Sie sprachen jetzt gerade an, dass sie früh dem Tod begegnet sind.

00:08:44: Hat sich durch ihr Projekt bei Familienbuch der Umgang zum Tod oder auch zum Sterben das Verstehen dazu geändert?

00:08:52: Nein tatsächlich nicht weil ich diese Arbeit schon als achtzehn-neinzehnjährige geleistet habe.

00:09:01: Also mein erster Freund, meine erste große Liebe war von einem Tag auf den anderen tot und ich musste mich damit auseinandersetzen gesund weiter zu leben.

00:09:11: Es war eine Zeit, wo ich weiß noch das drei Tage nach seinem Tod in der Englischarbeit schreiben musste.

00:09:17: Die habe ich verhauen mit sechs und die wurde trotzdem voll bewertet weil das ja überhaupt kein Thema war was nicht angesprochen werden durfte.

00:09:25: und Ich hab zwar darüber gesprochen aber das wollte auch keiner hören Und da habe ich mich dann eben sehr stark damit auseinandergesetzt mit tot mit sterben und hatte deswegen auch glaube ich so diesen Zugang gerade zu diesem AIDS-Patienten, also heute würde man von HIV aussprechen und hatte da auch nicht diese Berührungsängste.

00:09:49: Ja?

00:09:50: Ich habe gelernt das Leben kann sehr schnell vorbei sein.

00:09:55: Das persönlich gespürt, auch körperlich gespürt erste große Lebe und dann ist dieser junge Mann tot.

00:10:02: Und das hat mir aber eher gezeigt, wie kostbar das Leben ist.

00:10:07: Also es hat mich nicht... Nicht verstört!

00:10:10: Es hat mich geprägt.

00:10:12: Die Arbeit habe ich schon damals geleistet und deswegen hab' ich auch von Anfang an überhaupt keine Angst gehabt als die Palliativ- und Hospizbewegung nach Deutschland kam aus England, mich mit diesen Themen zu beschäftigen.

00:10:26: Und ähm Ich wollte immer Menschen eine Stimme geben und so Ja.

00:10:32: also nach so vielen Jahren später stelle ich fest, dass das so ... Das ist was von Anfang an eigentlich mein Leben geprägt hat.

00:10:40: Menschen eine Stimme geben egal in welcher Form und ohne dieses Leitbild zu haben.

00:10:47: damals hatte es eben dann doch schon Und das habe ich dann noch mal in etwas ganz anderes umgesetzt nämlich in das Familienhörbuch.

00:10:57: Sie sprechen im Familienhürbuch von Lebensgeschichten?

00:11:00: Sie sagen absichtlich denke ich oder auch sehr konkret nicht Sterbegeschichten.

00:11:05: Können Sie noch mal darauf eingehen, warum Ihnen das so wichtig ist?

00:11:08: Dass es Lebensgeschichten und eben nicht Sterbensgeschichten sind.

00:11:12: Der Anlass... ...ist die möglicherweise baldige Sterblichkeit oder sterblich sind wir alle oder sagen mal die Endlichkeit dass es eben das Leben vorbeigeht.

00:11:22: Das ist aber der Anlass für mich in den Herbuch.

00:11:24: Aber das was wir machen ist über das Leben erzählen Wir feiern das Leben.

00:11:28: Es ist eine Formulierung die ich am Anfang einfach sehr gewagt fand.

00:11:32: aber es ist tatsächlich so sich drei Tage zusammenzusetzen und professionell befragt zu werden.

00:11:40: Wir sind ja professionelle, fragende und zuhörende.

00:11:45: Ich habe allein angefangen aber auch unterdessen ein großes Team dieses das tut Menschen gut.

00:11:50: also das ist ja eine wahnsinnig ja ungewöhnliche Situation dass ein Fremder der einem sehr schnell auch sehr nah wird nachfragt und man ihm sein Leben erzählt.

00:12:05: Und dieses Nachfragen, dieses aktive Zuhören das auch begleiten durch die Lebensgeschichte.

00:12:12: ich sage immer gerne dass ist wie eine Bergwanderung.

00:12:16: Ich bin der ortskundige Bergführer.

00:12:21: Ich habe auch die Geregtschaften dabei.

00:12:23: Ich hab auch Steig-Eisen und Haltelinien und ich habe auch in erster Hilfe Kasten dabei um ein Pflaster zu kleben.

00:12:32: Aber wir gehen eben zusammen diesen Weg, der ist mal gerade.

00:12:36: Der ist mal krumm.

00:12:37: Wir machen auch mal Umwege.

00:12:38: Es ist manchmal mühsam.

00:12:39: Manchmal ist der andere vielleicht viel schneller als ich.

00:12:42: Ich komme gar nicht so schnell hinterher aber am Ende dieser drei Tage sitzen wir auf einem Berg.

00:12:47: Das ist das Leben!

00:12:49: Wir haben die Kapitelüberschriften eingesprochen und wir bereiten uns auf das Vorwort und das Nachwort vor.

00:12:57: Und dann sitzen wir da oben.

00:13:01: Wenn man jetzt das vorstellt, auf einem Berg sitzt und wir sehen die Landschaft darunter.

00:13:06: Und es ist so ein Genuss verschwitzt oder erschöpft.

00:13:09: Vielleicht packt man sein Butterbrot aus?

00:13:11: Man hat's geschafft!

00:13:13: Genau so ist das.

00:13:16: Das, was man sieht, das erzählte Leben – das ist das, was wir gefeiert haben mit allen Höhen- und Tiefen-, Schattierungen- und Lösungsmöglichkeiten und Zumutung, die das Leben einem in den Weg legt.

00:13:33: Aber es ist ein großartiges Gefühl, dann da oben zu sitzen und auch sein Leben zu blicken.

00:13:41: Auch eine Bergwanderung – das ist das was ich sage!

00:13:45: Das ist Feiern.

00:13:46: Das ist gleichzeitig ein Reifungsprozess weil man sicherlich durch das Ein oder andere in Erinnerungen durch die Höhen- und Tiefen gegangen ist im wahrsten Sinne des Wortes.

00:13:57: dafür sind wir auch da das auszuhalten aber Für uns als Audiografen ein großartiges Geschenk, dieses Vertrauen und diese Lebensgeschichte hören zu dürfen um das Vertrauen geschenkt zu bekommen.

00:14:13: Und für die Erzählenden ist es ja oftmals eine tiefe Befriedigung, einen Glück wenn auch natürlich verbunden mit einer Erschöpfung wieder so ist, weil man auch von dreitausend da hoch klettert ne?

00:14:27: Aber es ist einfach auch ein tolles Gefühl.

00:14:30: Ich finde dieses Bild vom Dreitausender, also diese Bergbesteigung die Sie jetzt beschrieben haben das find ich wunderbar.

00:14:36: Weil ich finde auch dass eben dieses Miteinander am Berg ja so wichtig ist.

00:14:40: Dieses Echo was man auch braucht und eben die Stimme ist so wichtig am Berg.

00:14:46: Das finde ich dieses Dass man sich eben auch austauschen kann, dass man sieht wo vielleicht Schwierigkeiten aufkommen dass man vielleicht auch bist du noch da sich zu ruft wie geht es dir?

00:14:55: Ist alles in Ordnung?

00:14:57: Was denken Sie, was kann denn eine Stimme?

00:14:59: Was vielleicht ein Buch oder einen Brief oder sowas nicht kann.

00:15:05: Also ich sage immer die Stimme ist der Spiegel der Seele und in der Stimme ... Die ist ja unser körpereigenes Instrument.

00:15:15: Ist alles zu hören oder vielleicht sogar eher zu spüren.

00:15:20: Die Kraft... Oder auch die Kraftlosigkeit, die Gefühle die Nachdenklichkeit, das Zauber an alle Emotionen.

00:15:30: Alles das ist in der Stimme drin und das spürt man mehr als dass man es vielleicht so analysieren kann.

00:15:39: und ich glaube auch unterdessen also ich bin zum Beispiel sehr optimistisch dass diese Art von Stimme niemals durch eine KI generierte Stimme ersetzt werden kann weil Es ist unser ganzer Körper, der diese Stimme ausmacht.

00:15:57: Diese Schwingung und Ton ist Schwingungen Und der Zuhörende nimmt diese Schwingen auch in seinem Körper wahr.

00:16:10: Das ist etwas ganz Besonderes und das funktioniert eben wirklich über die Stimme Nicht so sehr über Fotos Auch nicht über geschriebene Worte Schön gewählt sind.

00:16:24: Es gibt Menschen, die können wunderbar schreiben was immer sehr viel Zeit aufwendiger wäre diese ganzen Geschichten auch zu schreiben als sie zu erzählen.

00:16:31: aber das ist noch ein anderer Aspekt.

00:16:34: Aber Ein selbst der schönste Liebesbrief Ist etwas anderes als Das zu hören ich liebe dich Ich bin glücklich deine mutter ich bin glücklich dein vater zu sein.

00:16:50: Das ist nochmal was anderes vor allen Dingen dann, wenn es nicht so verschwindet.

00:16:58: Weil man sitzt auf einer Parkbank und erzählt sich das – das ist wunderbar!

00:17:02: Aber wir bewahren es ja als Turndokument.

00:17:05: Das heißt, es ist immer zugänglich heute in Jahren, in zwanzig.

00:17:09: Es hört ein Kind, es hört einen Jugendlicher, es hat ein erwachsen gewordener Mensch.

00:17:15: Er wird es immer anders hören weil natürlich auch das eigene Leben andere Bilder im Ohr Kopf erzeugen, wenn sie hören Mama sagt ich webe dich.

00:17:26: Ich bin glücklich deine Mutter zu sein oder es war nicht alles gut.

00:17:32: Es war ein schwieriges Leben aber das Wichtigste ist die Liebe.

00:17:37: Das wird man immer anders verstehen und das ist eben das was ja kein Foto auch kein Film sondern wirklich glaube ich nur diese Stimme alleine Burgi erzeugt kann vor allem wenn es ihr hat und bewahrt wird, das ist ja unsere Aufgabe.

00:17:56: Ja ich stimme Ihnen da gerne von Herzen zu weil ich glaube wirklich dass die Stimme doch mit unserem Ohr verbunden ist mit dem Hören.

00:18:04: und man sagt ja dieses Hören eben es misst und das Auge schätzt und das ist ein Unterschied.

00:18:11: Wenn ich vom Auge her einen Eindruck schätze und das Ohr misst, ist es dann schon genauer.

00:18:16: Und ich glaube, dass die Stimme deswegen für uns Menschen auch so wichtig ist.

00:18:19: Ich habe auch schon häufig gehört von Familienmitgliedern, die gestorben sind, dass dann die anderen gesagt haben, ich höre sie nicht mehr!

00:18:26: Oder ich habe Angst, dass sich die Stimme praktisch verliere.

00:18:30: Und dann kann man noch so viele Fotos angucken!

00:18:32: Die Stimme kommt halt nicht mehr zurück.

00:18:34: Das ist ja auch der Grund, wieso Menschen also die Mailbox nicht löschen den Anrufbeantworter oder das Diktiergerät aus höheren Zeiten oder die Tonaufnahmen, die irgendwo entstanden sind bewahren?

00:18:48: Vielleicht hören Sie sie auch gar nicht an aber Sie könnten.

00:18:51: Jetzt ist es ja bei den Menschen, die mit uns Familien über Büchern machen so.

00:18:58: Der Anlass ist eine lebensverkürzende und unrealbare Erkrankung und das sind Menschen, wie Kinder haben also mindestens ein Kind unter achtzehn Jahren.

00:19:07: Das heißt wir haben es mit Menschen zu tun, die für ihre Kinder erzählen, die unter Umständen noch sehr klein sind.

00:19:14: im Schnitt sind die Kinder durchschnittlich alle zusammenrechnen.

00:19:18: Alle Minderjährigen sind die so sechs bis sieben Jahre alt Und das jüngste Kind war siebzehn Tage, als wir mit dem Hörbuch, mit dem Vater gestartet haben.

00:19:29: Das heißt da ist ja gar keine Erinnerung, ne?

00:19:31: Das ist das Ere.

00:19:33: Und das andere sind diese Menschen die ja so eine Erkrankung haben.

00:19:37: Manche kommen in einem sehr frühen Stadium der palliativen Diagnostik, manche kommen aber auch wenn sie wirklich sehr stark schon durch die Krankheit gezeichnet sind und sich selber... vielleicht Schwierigkeiten mit ihrem körperbild haben so auch gar nicht aufgezeichnet werden möchten und selbst wenn sie selber sich.

00:20:02: Mit ihren körperlichen veränderungen ja versöhnt haben oder zurechtkommen.

00:20:09: es sind ja andere bilder die auch erzeugt werden.

00:20:12: also wenn man ja von der kindheit erzählt und man schaut In einem Video zum Beispiel, wirklich diesem gezeichneten Menschen immer ins Gesicht.

00:20:26: Das ist völlig okay ja?

00:20:28: Aber erstens die Frage möchte dieser Mensch so sieben acht Stunden sechs Stunden wie auch immer gesehen werden?

00:20:37: und Die andere Frage ist Wie entstehen dann diese Bilder im Kopf dieses Kino im Kopf?

00:20:45: funktioniert das wirklich?

00:20:46: Ja und hören nur hören gibt ja den Hören, den die Möglichkeit selber Bilder im Kopf zu entwickeln und einen eigenen Kinofilm zu entwickeln.

00:20:57: Und das ist ganz ganz besondere halt auch wenn man etwas hat was man nur hört.

00:21:04: Haben Sie persönlich Judith erfahren?

00:21:07: Was so eine Bedeutung eines Hörbuches ist für ein Kind später, wenn es vielleicht nach zwei drei Jahren nochmal hört?

00:21:14: haben sie da auch Erfahrungen?

00:21:16: kriegen sie der Rückmeldung von den Kindern.

00:21:19: Wir bekommen Rückmeltungen Von den Kindern selber seltener, weil im Schnitt sind die Kinder ja immer noch sehr jung.

00:21:26: Die Aufnahmen jetzt von Vater oder Mutter schon ein paar Jahre zurückliegen.

00:21:32: und was wir hoffen ist auf eine wissenschaftliche Studie.

00:21:35: das ist ne Langzeitstudie aber da muss erstmal die Wissenschaft sich für interessieren.

00:21:40: ich glaube dass es ein Schatzkästchen für die Wissenschaft ist aber das muss auch finanziert werden Es muss von einem Ethikrat bewilligt werden.

00:21:48: Das sind Studien an Kindern, also da sind noch mal ganz besondere Maßnahmen.

00:21:54: auf so eine Studie hoffe ich und ich glaube dass die ganz spannende Ergebnisse zeigen wird.

00:22:00: aber wir bekommen natürlich Rückmeldungen von den Familien von den Hinterbliebenen und teilweise auch von Kindern selber.

00:22:08: es gibt einen Film den das ZDF gemacht hat in Gut, wie ist das jetzt noch mal in Leben?

00:22:19: thirty-six Grad leben.

00:22:23: Mit Pauline.

00:22:24: Pauline ist die Tochter der allerersten mit der ich ein Familienhörbuch gemacht habe.

00:22:29: Das war ein Pilot damals.

00:22:31: damit bin ich zu den Ärzten und verwenden gegangen hab gesagt also so könnte ein Hörbuch klingen und das sagte mir die Mutter erlaubt mit ihrem Tonmaterial eben auch ein bisschen an die Öffentlichkeit zu gehen.

00:22:45: Und diese Paulin ist später mal befragt worden in einer Fernsehdokumentation und sie hat das sehr, sehr genau beschrieben.

00:22:53: als neunjährige, also ihr Mutter tot war, hat sich das nicht verstanden?

00:22:58: Was ist das?

00:22:59: Wieso kannst du die Mama hören?

00:23:02: Dann hat sie sich als sie ein bisschen älter wurde begonnen zu interessieren und zwar tatsächlich vor allen Dingen immer für die Kapitel, die Sie selber betrafen.

00:23:12: erste Tanzstunde, die Leidenschaft fürs Tanzen, die sie von Mama und Papa geerbt hat.

00:23:19: Und ich glaube das ist auch das Besondere an so einem Hörbuch dass das mit den Kindern wächst weil man hört einfach bestimmte Kapitel als Kind anders als Erwachsener und findet andere Antworten.

00:23:36: Das ist spannend da mal wirklich noch genauer nachzufragen.

00:23:40: Wir haben aber auch die Rückmeldung zum Beispiel von hinterbliebenen, ganz kleinen Kindern das die bestimmte Kapitel auf ihrer Tonibox haben und das einfach beim Spielen laufen lassen hören.

00:23:55: Und zwar jetzt eigentlich gar nicht mal inhaltlich sondern da geht es nur um die Stimme.

00:23:59: also wir schauen dass auch immer Kapitel entstehen die wirklich sehr leicht sind für Kinder oder Eltern auch vorlesen oder was singen, oder was auch immer in den Lebensrituaren wichtig ist.

00:24:14: Gebete einsprechen oder oder.

00:24:17: und das wird von den Kindern so ja als Beruhigung so als als warmer Mantel als als Stimmentapete oder wie auch immer man das bezeichnen mag einfach so auch gerne genutzt.

00:24:30: aber es gibt auch Kinder die sagen ich will dass gar nicht hören.

00:24:34: Das ist auch in Ordnung Das kann auch zwanzig Jahre dauern, bis irgendwann man sich vielleicht auf den Weg macht und sagt so ich möchte das gerne hören.

00:24:42: Weil es soll ja keine Belastung sondern ein Geschenk und eine Entlastung sein.

00:24:47: Da ist natürlich der Umgang ganz individuell.

00:24:51: Als Sie jetzt erzählt haben dass die Kinder das häufig so im Background rufen lassen da kam bei mir gleich so das Gefühl Ja das ist Geborgenheit dann ist diese Stimme die eben die Mutter oder der Vater dieses geborgene was Eltern so geben das auch mit der Liebe verbunden ist und dieses so dieses Sorglos über das Kinderjahr haben, wenn sie sich auf ihre Eltern auch verlassen können.

00:25:09: Und wenn Sie sehen, Mama und Papa, die stützen mich – die regeln das schon!

00:25:13: Deswegen glaube ich, dass es schon gut wichtig ist für diese kleinen Menschen, dass das im Hintergrund laufen kann ja.

00:25:18: Wobei wir natürlich immer empfehlen gerade die ersten Male das gemeinsam zu hören mit jemandem ob das jetzt der Witwe, die Witwe ist oder die Tante oder die Oma also ganz verschiedenen vertrauten Menschen.

00:25:33: Und es gibt natürlich Kapitel, die auch jetzt für Kinder Ohren gar nicht geeignet sind.

00:25:39: Für kleine Kinderohren.

00:25:40: Die Kinder sind ja auch als Dreißigjährige noch die Kinder ihrer Eltern.

00:25:43: aber da haben wir natürlich auch, wir haben sogenannte Dressort oder Schutzkapitel, wie die Kinder erst als Volljährige überhaupt zum Beispiel ausgehändigt bekommen.

00:25:57: Die werden dann von jemandem einer Vertrauensperson in der Familie bis dahin bewahrt.

00:26:04: Da gibt es natürlich ganz unterschiedliche Wege und Themen, so vielfältig wie das Leben eben ist.

00:26:11: Es gibt auch Sachen die gehören nicht in Kinder waren.

00:26:15: Das finde ich jetzt schön dass Sie das jetzt erwähnen.

00:26:17: Ich hätte es ein bisschen später gebracht aber ich finde es jetzt schön, dass es passt so wunderbar.

00:26:20: deswegen vielen lieben Dank.

00:26:22: diese Tresor Kapitel die sie gerade angesprochen haben weil meine nächste Frage wäre gewesen dürfen denn Papa, Mama alles erzählen dürfen.

00:26:29: Die Wut, Schuld vielleicht auch Traurigkeit so offen erzählen?

00:26:34: und ich glaube das passt ganz gut mit diesen Tresor Kapiteln jetzt zusammen.

00:26:37: können Sie da nochmal genauer eingehen was diese Tresorkapitel sind?

00:26:41: Sie haben es gerade schon ein bisschen angesprochen warum die so wichtig sind und warum Wahrheit nicht immer so laut zumindest nicht zu einem bestimmten Zeitpunkt ausgesprochen werden darf oder sollte.

00:26:52: Ja also Ich möchte mal so rum anfangen.

00:26:55: Wir machen diese Arbeit ja für die Kinder Auch wenn es für die Palliativ-Patientinnen eine sehr entlastende und gute Wirkung hat.

00:27:06: Die muss auch wissenschaftlich unterdessen belegt ist mit mehreren Studien.

00:27:09: Wir machen das für die Kinder, wir sagen immer Es sind alle Themen erlaubt – alle!

00:27:16: Alle Themen des Lebens.

00:27:17: Das ist natürlich eine Frage für welches Alter?

00:27:19: Das andere ist aber eine Frage der Bilder, die man in den Köpfen erzeugt also der Formulierungen.

00:27:26: Und da hören wir mit den Ohren der Kinder, und zwar nicht nur der kleinen Kinder sondern auch der Erwachsenen-Kinder.

00:27:32: Auch der irgendwann mal vierzig, fünfzig Jahre alten.

00:27:35: Weil es gibt bestimmte Dinge die von der Formulierung her ja ich will nicht sagen falsch sind aber einfach verletzend sind schwierig sind mit ungeheurer Scham behaftet Mit Aufträgen und Erwartungen Die so Ja Nicht an ein Kind gegeben werden sollten, welchem Alter?

00:27:59: Also ich wollte Tänzerin werden.

00:28:02: Du bist so musikalisch und ich habe es nicht geschafft.

00:28:04: Ich möchte dass du Tänzern wirst ist nie eine richtige Sondern ich wollte tänzeren werden!

00:28:11: Ich hab's nicht geschafft.

00:28:13: Wenn dir was wichtig ist im Leben dann mach'es Dann trau dich.

00:28:17: Das wäre das Erzählen.

00:28:20: Das ist der eine wichtige Punkt.

00:28:21: Der andere ist eben wirklich mit den Ohren der Kinder hören und da begleiten wir, da beraten wir Es dürfen keine Menschen herabgewürdigt werden.

00:28:31: Man kann darüber erzählen warum Mama und Papa sich getrennt haben natürlich aber es ist ne Frage wie man es erzählt.

00:28:38: Und dafür haben wir nicht nur unser Kinderschutzkonzept das wir sehr ernst nehmen unsere Mitarbeitenden sind alle darauf ausgebildet.

00:28:47: Wir haben Psychologen im Team Auch in der Krisenintervention.

00:28:51: Das heißt, wenn da so ein Thema im Interview aufploppt was wirklich schwierig zu erzählen ist dann kann man auch schnell anrufen das ist jetzt weniger Trennung scheidung sondern dass sind so Sachen wie Wenn zum Beispiel in der Schwangerschaft die Krebserkrankung festgestellt wurde Die Mütter haben sich entschieden erst mal die Schwangersschaft auszutragen und Dann sich um sich zu kümmern zu erzählen die wahrhaftigkeit irgendwann rechneten kind auch nach und stellt fest moment mal ist aber so zu erzäheln dass es wahrhaftig ist aber dennoch nicht belastend.

00:29:33: keine schuldgefühle ja diese ganzen dinge.

00:29:38: das ist unreimlich wichtig.

00:29:39: und da begleiten wir.

00:29:40: und dann gibt's auch kapitel trisor kapitel die eigentlich gar keine trisorkapitel sein sollten weil sie dadurch eine bedeutung bekommen.

00:29:52: Ja, wieso habt ihr mir das nicht schon viel früher erzählt?

00:29:56: Und was kann ich euch denn überhaupt noch glauben wenn Ihr mir das verheimlicht habt.

00:30:01: Das hättet ihr doch!

00:30:04: Dann muss man auch darüber nachdenken also... Ich mache mal jetzt ein fiktives Beispiel.

00:30:10: wir haben solche Geschichten.

00:30:11: Also wenn eine Mutter eben Nicht erzählt oder Eltern nicht erzählen, wir haben dich adoptiert nach der Geburt.

00:30:27: Wenn die das nicht erzählten weil sie sagen das Kind ist noch zu klein es soll damit nicht belastet werden und Sie erzählen's im Hörbuch als wichtiges und weil man es ja heute auch durch Gentests sowieso jederzeit nachprüfen kann und ist nicht erzählt, dass zum Beispiel in einem Tresorkapitel erst mit achtzehn ist.

00:30:44: Und auch die Gründe sind trotzdem geliebt werden und also egal wie gut man es erzählt dann Ist das eine solche Bombe die explodiert?

00:30:54: Die gar nicht nötig ist.

00:30:55: denn wenn ein Kind damit groß geworden ist ich bin adoptiert und die lieben mich Dann ist das ja gar nicht so ein Problem.

00:31:04: und auch da müssen wir in diesen Tresorkapiteln sehr darauf verachten dass da nicht Dinge auf später verschoben werden, wo es vielleicht besser ist zum Beispiel auch begleitet durch unsere Psychologen dass man das noch zu Lebzeiten erzählt.

00:31:24: Sprechen Sie dann mit den Eltern da drüber?

00:31:26: Weil ich stelle mir das wirklich schwierig vor diese Balance zwischen Schutz und Ehrlichkeit dieses ausgeglichene Sein zwischen Beschützten und vielleicht doch eine Lücke hinterlassen bei einem Kind

00:31:38: also nicht.

00:31:38: jede Wahrheit muss erzählt werden Ja, also vollkommen klar.

00:31:42: Aber wenn wir diese Themen, wenn die an uns herangetragen werden dann sprechen wir darüber und nicht nur wir sondern wir haben ja auch die Psycho-Onkologinnen im Team Die Ehrenamtlichen.

00:31:57: Wir werden vielleicht auch je nachdem was es ist von anderen darauf angesprochen.

00:32:02: Ich meine wir reden mit niemandem außer den Erzählenden.

00:32:07: aber Ja, vielleicht ist beim Erstgespräch zum nächsten Mal bei der Begrüßung auch der Partner die Partnerin dabei oder wie auch immer.

00:32:16: also wenn sozusagen dann über ja wir Informationen bekommen Dann müssen wir darauf auch eingehen.

00:32:23: Oder wenn nur so am Rande mal einmal erwähnt wird da ist vielleicht noch eine ganz große Tochter aus früherer Partnerschaft Die gar nicht nachgedacht wird dass man der auch das ist auch ein Kind selbst wenn er wachsen ist und auch die brauchen Kapitel.

00:32:38: Und wenn wir so was mitbekommen, dass jetzt im Moment wegen nur für die Kinder aus zweiter Partnerschaft erzählt wird und wir bekommen irgendwo mit ... Da gibt es aber dieses erste Kind.

00:32:48: Wir können nichts erzwingen!

00:32:50: Aber wir können beraten wie eben dieser Wanderführer halt jetzt sagen, pack mal mal die Steigeisen aus und klettern mal diese steile Wand wenigstens ein bisschen hoch und gucken mal ob's nicht doch erzählenswert ist.

00:33:03: Auch wichtig ist auch diesen Kind einen Kapitel zu hinterlassen ist die Verantwortung sehr bewusst.

00:33:10: Kinderschutz, auch Schutz erwachsener Kinder und uns ist auch gewusst dass so ein Familienhörbuch jetzt nicht nur ist wir bauen einen Mikrofon auf und dann ja kommt da was ins Mikrofone und da hängen wir ein bisschen Musik vor und hinten dran nehmt paar Sprecher raus und dann ist das das Hörbuch.

00:33:32: nein so ist es noch nicht.

00:33:36: Ich würde ganz gerne auf Ihre Audiobiographen so ein bisschen eingehen, wie die werden bestimmte gewisse Ausbildung dafür auch machen durchlaufen müssen.

00:33:44: Die werden ja auf diese Wanderung am Berg vorbereitet.

00:33:47: So stelle ich mir das jetzt vor.

00:33:48: Weil kein Bergsteiger oder Berggführer ist ohne eine Ausbildung Berggührer.

00:33:53: also ich denke es wird bei Ihren Audiobiografen sein.

00:33:56: und was mich auch brennend interessiert sind das vorwiegend Männer, vorwiegende Frauen.

00:34:00: erzielen Sie da mal mehr dazu?

00:34:03: Also die Audiobiografen sind zum überwiegenden Teil.

00:34:10: Es gibt ganz wenige Ausnahmen, aber zum überwiegenden Teil wirklich sehr erfahrene und professionelle Journalisten.

00:34:17: Viel Rundfunk, aber auch Fernsehen, auch Schreibende die dann aber die Technik natürlich beherrschen müssen.

00:34:23: also erst mal müssen sie einfach ihr Handwerkszeug beherrschen.

00:34:26: das heißt die müssen ein bisschen wie ein Mikrofon funktioniert, die müssen saubere Aufnahmen machen können, die Müssen Aldis eben erstmal können.

00:34:33: Die müssen wissen was ein dramaturgischer Bogen ist Erfahrungen haben, Interviews zu führen.

00:34:40: Wobei wir ja keine Interview machen weil unser Teil der Stimme wird immer rausgenommen und das ist ja rein nur die Stimme des Erzählenden, der Erzählenen so hören.

00:34:48: Die bewerben sich bei uns und dann gibt es eine Ausbildung wobei wir momentan keine Ausbildungskurse haben, weil wir unsere Team voll haben um das an der Stelle auch zu sagen.

00:34:59: Erst mal, und wir machen das zusammen mit Palliativmedizinern in Bonn.

00:35:04: Mit Haus Giersberg, das Palliativwirkademie für Pallietivmedizin steht dahinter und das ist ein über ein halbes Jahr verlaufender Ausbildungskurs teilweise online dann aber auch ein Präsenz in Bonnen wo wir alle zusammenkommen.

00:35:21: da sind palliativ Mediziner Da sind Leute die selber Ja, in der palliativen Begleitung sind Kinderpsychologen, Krankenschwestern und da machen die so einen Palliativcare-Purs.

00:35:38: Also viel über Krankheitsbilder, über Symptome, über Kommunikation mit Palliativpatienten das geht bis hin in Rollenspiele.

00:35:48: was das Thema Mundpflege und mit Simulationspatienten früher sagt man Schauspielpatienten die bestimmte Aufnahmesituationen mit den Auszubildenden durchspielen.

00:36:02: Es gibt eine Hausaufgabe, die wirklich auch sehr schwer ist.

00:36:07: Die müssen nämlich selber ein Vorort oder einen Nachwort für ein fiktives eigenes persönliches Familienhörbuch machen und das löst immer sehr viel aus Und die Qualität muss stimmen und so.

00:36:21: Dann geht es ins praktische Arbeiten, das heißt dann bekommen die irgendwann ihr erstes Familienhörbuch.

00:36:30: Das begleiten wir sehr intensiv.

00:36:32: Die Sound Designer, nämlich die Produktion machen sie in den Fällen immer Leute, die schon sehr viele Hörbücher gemacht haben, die auch eng zusammenarbeiten und auf ihre weiße Rückmeldung geben und dann entsteht dieses erste Familienhürbuch Hattet die Sounddesigner schon erwähnt, die sind nämlich genauso wichtig.

00:36:51: Weil... Die auch nochmal ganz anderen Belastungen nehmen wir gleich auf die Belastung der Arbeit zu sprechen kommen ausgesetzt weil die die Menschen nicht sehen sondern nur hören was ist schon noch mal intensiv?

00:37:03: Weil sie sehen das Lächeln und sie sehen nicht dass man in der Pause mal Kaffee trinkt und auch mal über etwas anderes redet und lacht.

00:37:12: Unsere Sounddesigner sind zum größten Teil professionelle Musiker, Bühnenmusiker.

00:37:18: Und die auch durchaus den großen Bühne dieser Welt stehen oder gestanden haben.

00:37:24: Studio-Musiker mit den großen Band spielen oder Teil der großen Band sind und die Arbeit am Familienhörbuch als so einen als so ein Geschenk und einen Ausgleich zu ihrer schnelllebigen Kultur- und Musikwelt erleben.

00:37:47: Krass, so Glamour und dem großen Auftritt und der großen Bühne!

00:37:53: Und ich sage immer diese Musiker, diese Künstler kennen die Melodie des Lebens in allen Schattierungen.

00:38:02: und deswegen finde Producer dann sind oder diejenigen, die diese Hörbücher dann schneiden.

00:38:12: Weil diesen Menschen ist oft wirklich nichts dran auf dieser Welt und sie haben das Gespür, die Stimme auch als ein Instrument zu behandeln weil das was am Ende dieses Familienhörbuchs rauskommt ist ein Klangwerk Kunstwerk nicht im Sinne von oh Gott, ich interessiere mich doch nicht für Kunst und ich habe mich nie dafür interessiert.

00:38:35: Jetzt kriege ich das ein Kunstwerk.

00:38:36: was euch damit anfangen?

00:38:37: wir gehen schon sehr genau auf das einen was die Erzählenden ausmacht und abbildet.

00:38:42: aber jedes Leben ist erzählen und bewahrenswert.

00:38:48: Und ob man jetzt über die großen Dinge des Lebens erzählt oder darüber wie man immer zu Ostern den Hefezopf der Großmutter backt und wie das Rezept genau funktioniert.

00:39:01: Und, wie man den Teig knetet diese Sinnlichkeit ist eigentlich egal.

00:39:05: in allem ist einfach dieses pralle Leben und dieses wunderbare was wir auch so wunderbar dann auch darstellen wollen auch akustisch.

00:39:17: also ich höre da schon raus dass ihr team ist dann wirklich nicht nur aufeinander auch abgestimmt sondern Team ist sehr sinnlich.

00:39:24: Also das ist dieses Hören und durch das Hören dann auch ein Riechen, ein Visualisieren also dieses Kopfkino.

00:39:30: ich fand es jetzt auch wunderschön wie sie von der Musik des Lebens sprachen und von dieser Klangwelt was ja auch eine unwahrscheinliche Bereicherung ist und was ihr natürlich dann auch wunderbar begleitet.

00:39:42: Genau!

00:39:42: Also bis hin zu Klängen, nicht nur Musik aber natürlich arbeiten wir viel mit den Playlists des Lebens erzählenden Menschen.

00:39:57: Wunderbar!

00:39:59: Sind es dann Ihre Audiobiographen, vorwiegend männlich oder weiblich?

00:40:03: Oder ist das gemischt?

00:40:03: Ist das total ausgeglichen?

00:40:05: Also total ausgeglichen nicht.

00:40:07: Das ist interessant.

00:40:07: also wir haben einen höheren Anteil bei den Audiobiograf-Innen und einem höheren Männeranteil im Sounddesign.

00:40:17: eine gute Kombi.

00:40:22: Wir haben aber auch Männer in der Audiobiografie.

00:40:26: Und natürlich fragen wir da auch durchaus, also es hängt ja von vielen Faktoren auf wie bringen wir wen mit wem zusammen?

00:40:32: Wer wohnt in der Nähe und wer hat würde passen... Also da gibt's ja viele Dinge wo wir überlegen, wer übernimmt jetzt dieses Projekt, wer hat jetzt möglichst schnell Zeit und dort unterkommen viele Fakturen zusammen.

00:40:44: Aber natürlich fragen, wer ist ihnen recht das mit einer Frau oder einem Mann zu machen.

00:40:50: Das ist ja einfach auch ganz, ganz wichtig.

00:40:52: Wobei man jetzt nicht sagen darf, dass Frauen die zum Beispiel in ihrem Leben schlechte Erfahrungen mit Männern gemacht haben, das sie jetzt auf keinen Fall mit einem männlichen Audiographen arbeiten.

00:41:09: Manchmal ist es sogar so, dass auch den Frauen, Schwere Dinge, traumatische Dinge mit Männern erlebt haben.

00:41:22: Dass sie es als sehr wohltuend empfinden, dass sie mit einem Mann arbeiten der ihnen die Wertschätzung des Zuhörens und der Geduld und dessen Entgegen bringen was sie vielleicht in ihrem Leben wenig erlebt haben Das kann tatsächlich auch.

00:41:41: Da hab ich mich am Anfang schwer getan, weil ich dachte, wie geht das?

00:41:44: Ich weiß das ja nicht am Anfang.

00:41:45: Vielleicht hat die Frau Gewalterfahrung gemacht.

00:41:49: Können wir sie mit einem Mann zusammenbringen?

00:41:50: Was macht das?

00:41:51: triggert das an?

00:41:52: Wir fragen natürlich vorsichtig aber man weiß es ja selber gar nicht.

00:41:55: Aber da habe ich auch mit Experten gesprochen, die sagen nein!

00:41:58: Es kann sogar sehr heilend sein dass Männer, Frauen die Gewalterfahrungen mit Männern haben, dass die jetzt einen Mann erleben der ihre Geschichte hört und aufnimmt, damit wertschätzend umgehen kann.

00:42:13: Also es ist wirklich hochkomplex!

00:42:16: Und natürlich auch die Sounddesigner sind ausgebildet.

00:42:20: Auch im Palliativ-Carebereich.

00:42:22: Auch die wissen das Kinderschutzkonzept natürlich.

00:42:24: Das sind ja diejenigen, die dann nochmal entscheiden wie lange lasse ich vielleicht mal die Tränen erstickte Stimme, auch das Weinen?

00:42:35: Wie viel lasse Geht das, was ist in einem Kind zumutbar?

00:42:39: Und welche Worte sind vielleicht so schwierig gewählt, dass sie verletzen können.

00:42:45: Weil doch mal die Emotionen durchgegangen sind und Emotions sind hier erlaubt.

00:42:50: Es ist immer nur die Frage Sind Sie verletzend, sind Sie demütig und sind Sie abwertend?

00:42:57: Aber wir begleiten Wir sind eben wirklich diese Wand dafür.

00:43:01: Also ich merke schon Sie haben mehrere doppelte Böden eingebaut.

00:43:04: Dass dann der Autiobiograph oder die Biografin, dass diejenigen schneidet.

00:43:10: Vielleicht auch mehrere, die noch mal drüber hören diese Absprache, die sie wohl auch im Team haben.

00:43:14: und jetzt haben Sie gerade auch Grenzen- und Traumata angesprochen.

00:43:17: Judith Was passiert denn wenn ein Elternteil bei der Aufnahme auf einmal merkt?

00:43:22: Ich kann das nicht!

00:43:24: Wie gehen Sie damit?

00:43:25: Hatten Sie sowas schon?

00:43:26: Und wenn ja wie gehen Sie da mit um?

00:43:30: Also, wir haben die Krisenintervention.

00:43:31: Das heißt also wenn irgendwas angetriggert wird können wir also binnen.

00:43:36: ich sag mal dann geht eine SMS raus von dem Audiobiografen zu einem der Psychologen.

00:43:45: So Zeit können wir mal reden.

00:43:48: oder kannst du mal mit der Projektteilnehmerin, mit den Projektteilnehmern reden?

00:43:54: Die möchte gerne einmal mit dir sich austauschen.

00:43:57: das geht!

00:43:58: Das ist möglich.

00:44:00: Das ist der eine Punkt.

00:44:04: Jetzt habe ich den anderen Teil der Frage, das war jetzt nur die erste Teil der Fragen, die ich beantworte.

00:44:08: Das ist noch nicht befriedigend!

00:44:10: Ich wollte noch einen Schritt weitergehen, was wollte ich sagen?

00:44:12: Ich hatte sie gefragt einfach nur wenn die ein ist... Also dass Elternteil feststellt, ich kann das nicht mehr.

00:44:18: Genau.

00:44:19: Haben wir so noch nicht erlebt?

00:44:21: Andersrum erleben wir es.

00:44:25: Da ist der Vater ein Hörbuch machen soll, weil die Frau das für sich wünscht.

00:44:34: Weil sie sagt, es wäre doch gut für dein Kind oder der ist der Arzt, der das empfiehlt und sagt, schön, wenn Sie den Hörbuch machen, es tut Ihnen gut, es ist gut für die Kinder.

00:44:45: Und vor allem Männer, die dann sagen nicht will er's aber nicht.

00:44:49: Eigentlich will ich das nicht.

00:44:50: Was soll ich erzählen?

00:44:51: Kein Lust zu.

00:44:53: Und die das aber nicht so richtig ausdrücken, weil sie auch irgendwo ja ... was Gutes zu tun wollen und die dann zu uns kommen, wo wir direkt merken, die sind geschickt.

00:45:05: Die wollen das nicht.

00:45:07: Die wurden geschickt!

00:45:09: Und das ist spannend weil wenn sie sich dann auch nur so mit verschränkten Armen und ich will das nicht ja so mit ganz viel Abwehr... Wenn die ins Erziegeln kommen, dass es unfassbar war Ich meine jetzt gar nicht von der Menge, dass sie dann den Wasserfall reden.

00:45:29: Sondern wenn die sich öffnen und sie tun es, sie öffnet sich ganz oft.

00:45:34: Dann merken Sie vielleicht sogar zum ersten Mal in Ihrem Leben, weil sie vielleicht eher die Schweiger sind wie gut das tut?

00:45:41: Und Sie sind hier einen geschützten Raum und Sie können auch sagen nie also was ich erzählt hab raus schneiden.

00:45:47: Das machen wir natürlich oder Machen Sie mal das Mikrofon aus!

00:45:51: Ich muss erst einmal erzählen.

00:45:54: Und das Ganze ist eine oftmals als sehr kostbar erlebte Erfahrung dann beschrieben.

00:46:04: Also da haben wir es wirklich schon erlebt, dass Leute ja von dieses biblische Bild vom Saulus zum Paulus also vom Gegner zum Überzeugten geworden sind und die sagen das war wirklich toll und das hat mir so gut getan!

00:46:21: Und wir halten es auch aus Es ist ja oftmals so, dass Palliativ-Patienten und da vielleicht sogar die Männer mehr weil sie dieses Männerbild ein Junge weint nicht usw.

00:46:34: noch verinnerlicht haben.

00:46:37: Oftmals wollen Sie ja Ihre Familie schützen und beschützen und schonen und kommen mit Ihren eigenen Ängsten und Gedanken auch mit der Wut und der Verzweiflung einfach natürlich eine Diagnose und der bevorstehende Abschied aus dem Leben eben mit sich bringt.

00:46:53: Die wissen gar nicht, wohin damit.

00:46:55: Und bei uns können sie es lassen!

00:46:56: Die können heulen, schreien, wütend sein... Also diese Wut vor die Füße kotzen.

00:47:02: Entschuldigung ich drück's mal so drastisch aus.

00:47:05: Wir halten das aus

00:47:06: immer

00:47:07: nicht bei der Partnerin.

00:47:09: Das macht man auch nicht mit der Krankenschwester, die vielleicht zu der man ein vertrauteres Verhältnis hat weil sie einem einfach gut tut und weil sie so liebevoll mit einer Patientin umgeht.

00:47:23: Das macht man auch nicht bei der besten Freundin.

00:47:26: Und das kann man aber bei uns, wir sind dafür ausgebildet!

00:47:30: Wir halten das aus und haben unsere eigenen Strategien dann unserer Seele gesund zu halten.

00:47:40: Was Judith ist bei Ihnen wenn die Eltern unterschiedliches Verständnis darüber haben was das Kind erfahren soll und darf?

00:47:47: Wie gehen Sie damit um?

00:47:50: Also erstmal natürlich die Erzählenden Oberhand ist ja vollkommen klar.

00:47:55: die haben die hoheit, die deutungshoheit über ihr leben und auch über das was sie erzählen wollen.

00:48:00: Und weil das was Sie nicht erzählen?

00:48:03: Es ist aber tatsächlich so dass ich durchaus auch fragen soll ich das erzählen?

00:48:08: kann Ich das erzähle und dann macht man das mikrofon aus und Setzt sich einfach hin kocht vielleicht auch mein kaffee oder ein t oder geht eine runde spazieren sagt so wo wo ist das problem Wo sind die Ängste?

00:48:23: oder wie kann man das anders ausdrücken?

00:48:25: Also ich habe eher den Eindruck, dass viele am Anfang sagen... Ich will das und das.

00:48:31: Und das würde ich auf keinen Fall erzählen.

00:48:34: Aber sie erzählen es doch!

00:48:36: Aber eben so, wie es für Sie richtig ist und vor allen Dingen, wie's fürs Kind richtig ist oder für die Kinder.

00:48:43: Das ist das was ich vorhin auch gesagt hab, was ein Reifungsprozess ist.

00:48:47: Auch in dieser Erzählarbeit.

00:48:49: Auch zum Beispiel Wir geben immer so diesen Rat oder diese Begleitung, dass die nicht uns erzählen.

00:49:02: Und dann wurde ich mit meinem ersten Kind schwanger und dann wurde es mit dir schwanger.

00:49:08: Das ist ein ganz schwieriger Prozess und auch mit ganz vielen Emotionen verbunden weil das ist ein riesen Unterschied ob man nach Fremden, die einem vertraut wird, die Geschichte erzählt oder dem eigenen Kind da wo's eigentlich hingehört.

00:49:21: Und das ist ganz, ganz schwer und auch noch mal mit vielen Emotionen verbunden.

00:49:26: Weil einem da so nochmal bewusst wird den Leuten so bewusst wird.

00:49:29: Das werden meine Kinder vielleicht schon hören wenn ich noch lebe aber sie werden es auch hören wenn Ich schon gestorgen bin und sich selber anzusprechen.

00:49:37: Aber dass ist das kostbare und das wichtige und darüber sortiert sich dann auch was wie erzählt wird und ob es Themen gibt die man außen vor lassen möchte.

00:49:49: aber letztendlich erzählen viele Menschen viel, viel mehr als sie sich vorgestellt haben das erzählen würden.

00:49:58: Aber Sie tun es auf eine Art und Weise die eben für die Kinder wertschätzend und wichtige Antworten aus Leben gibt vielleicht eben auch als später ein Tresor Kapitel aber wo alle letztendlich den Eindruck und das Gefühl haben dass ist gut so Und wir machen ja auch wie gesagt diese Gespräche die wir anbieten, mit den Psychologen und auch das nochmal nachhören.

00:50:30: Die schwierigen Kapitel kann man da so stehen.

00:50:32: was geht das so?

00:50:34: Und um das zu sagen, was ja ganz wichtig ist, die Audiobiografen führen schon da also auch Regie dass sie sagen können wir das kapitel noch mal neu machen.

00:50:43: ich habe da so ein Bauchgefühl ich würde es schwierig finden.

00:50:49: Ich hab so ein Beispiel, das ist mir ganz eindrücklich vor Augen.

00:50:55: Da habe ich mit einer Mutter von zwei noch recht kleinen Kindern, der eine war im Kindergarten und der andere war gerade in die Schule gekommen.

00:51:03: Die war sehr gläubig!

00:51:05: Und ich hab sie dann gefragt, haben Sie den Angst vor dem Tod?

00:51:09: Und er sagte zu sich, nein, ich hab keine Angst vor diesem Tod.

00:51:16: zurück zu nach Hause, zu Gottvater und ich freue mich dass ich euch dann da irgendwann wieder sehe.

00:51:26: Ich werde da auf euch warten.

00:51:29: Da hat man hier ein Bauch gekrummelt.

00:51:31: Da kamen so Bilder!

00:51:33: Und ich dachte dann... ich dachte komischerweise an den Froschkönig.

00:51:37: und dann dachte ich so was ist wenn die Kinder sich dann nachts in so einen Brunnen plumpsen lassen weil sie da die Sehnsucht haben?

00:51:43: Und mir passiert das.

00:51:45: aber im wahren Leben ertrinkt man in dem Brunnel.

00:51:49: Und dann habe ich ihr das genau so gesagt.

00:51:51: und dann sagte sie, oh Gott ja, das habe ich jetzt gar nicht so gedacht.

00:51:55: Und dann hab' ich gesagt, Sie wollen doch eigentlich Ihren Kindern erzählen, Sie glauben an ein weiter Leben nach dem Tod?

00:52:02: Sie glauben dass Ihre Liebe, ihre Kinder auch wenn sie tot sind, wenn sie gestorben sind begleiten wird, dass sie in irgendeiner Weise den Kindern Schutz geben können – auch aus dem Jenseits, aus dem Leben nach der Tode.

00:52:18: Ja, sagte sie.

00:52:19: und dann sagte sie.

00:52:21: Erzählte sie die gleiche Geschichte noch einmal und sagte es dir, ich habe keine Angst vor dem Tod!

00:52:26: Ich weiß dass das Leben nach dem Tod weitergeht.

00:52:29: Ich werde bei euch sein, meine Liebe wird euch begleiten.

00:52:33: Und wenn ihr dann uralte Männer seid vielleicht?

00:52:37: Und wenn ja ein tolles Leben gelebt habt und... Wenn ihr dann vielleicht umgeben von Freunden, von Familie und satt Mit einem tollen Leben, wenn ihr dann sterbt.

00:52:49: Dann werden wir uns wiedersehen!

00:52:53: Das ist die gleiche Aussage nur mit ganz ganz anderen Worten und das ist unsere Aufgabe als Audiobiografen diese Geschichte so hörbar zu machen dass sie auszuhalten ist und dass sie nicht zu Fehlinterpretationen.

00:53:10: Ja wichtig enorm wichtig weil es eben doch eine Schwingung ist und es zeigt Diese zweite Geschichte zeigt für mich so diese Verbundenheit, die man über den Tod hinaus hat.

00:53:20: So nach dem Motto ich bin da auch wenn du mich nicht mehr siehst.

00:53:23: Ja?

00:53:23: Genau!

00:53:23: Diese Energie einfach ohne dass man das jetzt esoterisch meint sondern dass das tatsächlich diese Schwingung ist dieses Miteinander.

00:53:31: Wie verändern sich denn Gespräche Judith bei Menschen die wissen Ich habe jetzt vielleicht nur noch sagen wir mal zwei drei Tage weil da ist Zeit ja wirklich eine ganz besondere Dimension Die isst ihr dann sehr dringlich Könnte ich mir gut vorstellen, dass sich dann diese Gespräche mit diesen Eltern enorm verändern?

00:53:48: Ja da geht es wirklich.

00:53:49: Da wird nicht mehr vom Kindergarten und vom ersten Kuss und von der Tanzstunde vielleicht erzählt sondern da geht das darum wirklich die Essenz des Lebens, die Liebe.

00:54:00: Alles ist ja getragen von der Liebe selbst wenn die Leben schwer gewesen sind.

00:54:04: Diese Essenz herauszuarbeiten.

00:54:12: Ich hatte den Eindruck, dass diese Menschen selber ganz genau wissen was ihnen dann besonders wichtig ist.

00:54:19: und dann geht es nur noch um diese Themen.

00:54:23: Und um Kraft schenken, den Kindern Kraft und ja Energie mitzugeben in das Leben.

00:54:32: ohne sie dieses meine Liebe wird dich tragen würde ich begleiten Ja, besonders kostbares.

00:54:46: Also was ich immer bitte zu vermeiden ist dass die gerade auch wenn der Tod so nah bevorsteht das sie so sagen ich entschuldige mich dass sich den Kampf nicht gewonnen habe.

00:55:07: Es tut mir leid, dass ich krank geworden bin und ein Versager ist.

00:55:12: Was Männer durchaus auch neigen zu sagen?

00:55:20: Ich habe den Kampf verloren und es tut mir Leid!

00:55:25: Wir sind alle sterblich und wir wollen nicht als Verlierer aus dem Leben gehen.

00:55:33: Wir sind keine Verlierern.

00:55:36: Es ist eine Tatsache, dass es Menschen gibt die früher sterben Und das ist eine Riesengemeinheit in jungen Eltern, wenn Kinder sterben.

00:55:46: Es ist ein Riesengemeinhalt aber es lässt sich nicht ändern.

00:55:50: Aber deswegen ist das Leben dieser Menschen nicht weniger wert?

00:55:55: Nicht weniger vollendet und sie sind keine Versage.

00:55:58: also ich kann bei diesem.

00:55:59: Er hat den Kampf gegen den Krebs verloren oder dieses Aufmundhandel so gerade in der ersten Zeit nach einer Diagnose.

00:56:06: Du musst kämpfen, du gibst dir Mühe!

00:56:08: Du wirst es schaffen, tritt den Krebz in den Hintern.

00:56:10: Oh ich kann diese ganzen Sprüche, ich kann sie nicht gut

00:56:13: ertragen.".

00:56:15: Weil das Bild ... Du gehst als Verlierer aus dem Leben ist einfach entsetzlich und zwar nicht nur für die Sterbenen sondern auch für Kinder mit diesem Bild.

00:56:30: Gott, die hätte sich nur ein bisschen mehr Mühe geben müssen.

00:56:33: Deine Mutter oder ... Die hätte sich vielleicht gesünder ernähren und Sport machen können.

00:56:39: Dann hätte sie die Krankheit und Therapie überlebt.

00:56:41: Nein das ist so entsetzlich und so falsch!

00:56:46: Das möchte ich auch keinem Kind zumuten, so ein Bild.

00:56:51: Und...das passiert aber nicht.

00:56:54: Gerade in der prä-finalen Phase geht es nur noch um die Liebe.

00:56:58: Nicht um Siegerträppchen.

00:57:04: Ich finde das eine wunderschöne Vorstellung, dass man am Schluss dann wirklich über die Liebe und das Miteinander und diese Zugewandtheit spricht und dieses andere was dann doch vielleicht so das Leben so geformt hat oder am Leben auch wichtig ist natürlich das Leben aber das es zum Schluss wirklich nur noch dieses Gefühl dieses Miteinanders dieses Füreinander im Vordergrund steht.

00:57:25: Das ist wunderbar!

00:57:26: Und ich denke immer mein Gott warum lernen wir daraus nicht?

00:57:30: Wir, die wir jetzt vielleicht gar keine Diagnose im Nacken haben.

00:57:34: Warum müssen wir uns ständig streiten und schaffen es nicht?

00:57:39: Ja, warum müssen Rosenkriege geführt werden?

00:57:43: Warum müssen Kriege gefördert werden?

00:57:44: Gut das hat dann... Da können wir jetzt wirklich in die Hoch- ins Hochfolge viel oder auch politische gehen.

00:57:50: Am Ende sind wir sterblich!

00:57:52: Sind wir alle

00:57:52: sterblig?!

00:57:53: Und was wichtig ist, ist die Liebe, isst die Versöhnung, voreinander und alles andere, ja ist eigentlich nicht das was uns Menschen ausmachen sollte.

00:58:09: Es macht uns aus der Streit und der Rapfelverliegung oder die Demütigung.

00:58:13: aber nein!

00:58:14: Und gerade Eltern von kleinen Kindern wissen es goldene Brücken zu bauen wenn sie zum Beispiel wissen dass die Kinder von dem Partner auf der Partnerin jetzt erzogen werden, mit denen man im großen Krieg gelebt hat.

00:58:35: Und tatsächlich spielt das keine Rolle mehr oftmals und tatsächlich auch schon beim Erzählen der Familienhörbücher in früheren noch gesünderen Phasen.

00:58:47: Diese goldenen Brücken werden gebaut auch oft ohne dass wir überhaupt da die Brückenbauer sozusagen sein müssen oder sind Weil, glaube bei vielen sich nicht bei allen.

00:59:03: Man wird jetzt nicht durch eine Diagnose ein klügerer oder besserer Mensch aber irgendwo dann eben doch auch schon im Sinne dass ich sortiert was ist wichtig in dem Leben und was nicht und was tue ich damit meine Kinder gut ins Leben gehen?

00:59:17: Und dazu gehört eben eher die Versöhnung und die Liebe als der Streit und die Herabwürdigung bealten und das polarisieren.

00:59:24: Das ist oft weg ganz weg.

00:59:29: Wir haben jetzt auch diese goldenen Brücken angesprochen, das finde ich ist auch ein schönes Bild.

00:59:33: Was glauben Sie denn?

00:59:34: Warum die Audiobiografie im deutschen Gesundheitswesen noch nicht so einen selbstverständlicher Bestandteil bei der Palliativversorgung ist?

00:59:45: Das wäre natürlich schön!

00:59:46: Also immer das wär toll wenn die Krankenkassen diese Leistung übernehmen würden.

00:59:52: Ich würde mal sagen also der Weg dauert bestimmt noch viele Jahre, wenn er überhaupt jemals bestritten wird weil Leistungen müssen ja auch bezahlt werden und an irgendeinem anderen Stelle müssen sie sich auszahlen.

01:00:03: Also wenn wir beweisen können, dass Familienhörbücher nicht nur den Eltern gut tun das können wir ja schon belegen sondern posttraumatische Belastungsstürmen vermeiden bei Kindern also eine sozusagen Kostenersparnis in der Gesellschaft weil die Kinder vielleicht weniger belastet ins Erwachsenen leben gehen Das wäre natürlich großartig wenn wir das hinbekommen würden.

01:00:28: Das ist noch ein weiter Weg.

01:00:29: Aber warum nicht?

01:00:32: Wir haben im Jahr zwei Tausend neunzehn gegründet, also ich meine wir sind ja noch ein ganz junges Unternehmen und vielleicht werde ich selber nicht mehr erleben aber vielleicht wird das ja irgendwann mal was Selbstverständliches sein, aber Tatsache es wie sind die ersten auf der Welt.

01:00:46: Also das haben die Universitäten auch nachgeforscht.

01:00:50: wo wird das gemacht?

01:00:50: Nein, das Familienhörbog ist das erste audiobiografische Angebot dass es gut ist.

01:00:58: Davon sind wir überzeugt, aber da brauchen wir noch viele wissenschaftliche Studien.

01:01:03: und auf der anderen Seite wären wir natürlich froh wenn wir das Familienhörbuch ist ja reinkostenfrei nur aus Spenden finanziert und wir werden natürlich wahnsinnig froh, wenn wir also einfach ein Budget hätten, der es nicht nötig machen würde, dass wir Wartelisten haben.

01:01:21: die haben wir.

01:01:22: Wir haben Wartellisten aus unserer Sicht, also für unsere Arbeit das was eigentlich das Unzumutbarste ist.

01:01:31: Sowohl für die Wartenden als auch für uns weil es tut uns einfach leid und wir sind ja auch nicht nur Profis, wir sind doch Menschen und wir ringen um jeden und versuchen alles möglich zu machen, dass so ein Hörbuch zuniert.

01:01:49: Wir haben genug Audiobiografen, wir haben genug Sound Designer, wir können die Leute innerhalb von zwei Tagen los schicken von einem Tag unter Umständen.

01:01:58: Die fahren los, die lassen alles stehen und liegen und fahren dahin.

01:02:00: aber wenn wir kein Geld haben dann können was nicht.

01:02:03: ich muss meine Leute bezahlen Und da werden die Krankenkassen oder auch große Stiftungen Oder auch wenn jeder in dieser Gesellschaft der sich angesprochen berührt fühlt fünfzig Cent spenden würde Auch damit wäre schon viel getan.

01:02:22: Ich hoffe ich auf diese Wunder Und manchmal geschehen ja auch so kleine Wunder.

01:02:26: Plötzlich gucke ich aufs Konto und da hat jemand tausend oder mehr gespendet, viele Leute haben ganz viele kleine Spenden gemacht.

01:02:36: Jeder Euro zählt ja!

01:02:38: Dann kriegen wir das ohne Krankenkassen hin.

01:02:40: aber die Krankenkasten wären schon gut.

01:02:42: Es wäre schon gut wenn es im Gesundheitswesen irgendwann etabliert werde.

01:02:45: Aber das sagen natürlich ganz viel der alte Anbieter dass es gut wäre.

01:02:51: Das wäre gut.

01:02:53: Ja, ich denke es wäre schön so eine gewisse Basis.

01:02:55: Dass man dann da vielleicht noch selber mit Spenden aufbaut?

01:02:57: Okay!

01:02:58: Aber dass die Basis einfach stimmen würde das wäre schön wenn sich da gesellschaftlich und politisch was bewegen könnte wär grandios.

01:03:05: Ja aber das kann ja auch ganz anders geschehen.

01:03:07: Das können die Krankenkassen sein, aber es können auch.

01:03:09: zum Beispiel wir haben ja die Leute sind oftmals im Berufsleben.

01:03:14: Die arbeiten bei Unternehmen.

01:03:16: Wenn die Unternehmen einfach dann auch mal eine Restgeldspende einen Spendenlauf, den nächsten Advents-Basaar.

01:03:30: Es gibt so viele Möglichkeiten.

01:03:32: Wir haben... es ist unglaublich was sich Menschen auch einfallen lassen um Spendengelder für das Familienhörbuch zu generieren.

01:03:42: und ja wenn sich da mehr Menschen auf dem Weg machen also gerade wenn sie wissen im Kollegen im Freundeskreis ist so eine Diagnose eingeschlagen und die möchten gerne Familienhöhung haben.

01:03:52: Und wir sammeln nicht nur für ein Familienhöro, sondern vielleicht noch für ein zweites oder für ein drittes.

01:03:58: Wenn Influencer einfach mal aufrufen würden.

01:04:01: Wir haben so einen Fall gehabt, das erzählen darf nach dem Aarhochwasser, wo einfach die Spenden komplett einbrachen weil fürs Aar-Hochwasser gespendet wurde.

01:04:11: vollkommen richtig ja?

01:04:15: Da hatte ich zwanzig Leuten schon zugesagt Da noch so ein bisschen optimistisch war, das wird schon gehen.

01:04:21: Und dann habe ich die zwanzig Leute angerufen und hab gesagt wir müssen jetzt erst mal warten bis wieder Geld reinkommt, die Spenden gehen ja zu anders hin was für mich in Ordnung ist?

01:04:29: Und da rief mich eine Mutter an und sagt ich habe aber keine Zeit!

01:04:32: Ich habe keine Zeit, ich kann nicht warten.

01:04:35: Die hatte alleinerziehend, hatte ganz kleine Kinder und sagte ich habe keine zeit, kann ich eine Spendenaktion machen?

01:04:41: und ihr habt dann so einen Crowdfunding gemacht.

01:04:45: darüber Hint kommen wir immer wieder zur Geld über Crowdfunding.

01:04:49: Ihr hattet ein Crowdfunding gemacht und ich weiß, dass ich hatte fünf WhatsApp-Kontakte.

01:04:54: Die hatte keine Kontakte in die sozialen Medien.

01:04:56: Das ist auch schon ein paar Jahre her, eben auch auf fünf Jahren.

01:05:01: Und die hat aber irgendwie alles richtig gemacht!

01:05:03: Die hat irgendwie ein tolles Foto, auf dem sie nicht erkennbar war, was trotzdem Spürer war, die hatten einen tollen Text geschrieben, der eigentlich viel zu lang war, wo ich dachte Gott, wer liest so einen langen Text?

01:05:14: War genau richtig... Und dann hat sie das an ihre fünf WhatsApp-Kontakte im Kindergarten geschickt, und die Mütter haben das weitergeschickt über ihren Status.

01:05:23: Dann war da eine Influencerin in dem Kindergaten und die sagt oh Gott, oh Gott!

01:05:26: Ich kenne die und spendet einen Euro oder fünfzig Cent.

01:05:30: Das hat die bei sich auch ihre Seite bei Instagram.

01:05:35: Und das werde ich nie vergessen, ich höre noch ne Gänsehaut.

01:05:39: Da kamen innerhalb von sechsund dreißig Stunden hundertsebzehntausend Euro zusammen.

01:05:44: Wow

01:05:45: nur diese kleinen Spenden.

01:05:47: Man kann das ja dann verfolgen, ne?

01:05:49: Dann geht der Endenbarometer, geht da hoch!

01:05:51: Ich glaube wir saßen... Das war die Silvester,

01:05:53: ja?!

01:05:53: Wir saßen aus dem Team und unserem damals noch sehr kleinen Team.

01:05:56: Wir saßten alle vor unseren Händchen und sagten, hast du das gesehen unterschrieben?

01:05:59: Guck dir das mal ein, dass er unfassbar.

01:06:01: Und ich konnte anderthalb Tage später diesen zwanzig Leuten zusagen Es ist so schnell wenn jeder einen ganz ganz ganz klein bisschen gibt.

01:06:08: Wir brauchen nicht diese riesigen Summen und wir brauchen auch nicht die Krankenkassen Wenn jeder von uns ein bisschen dazu beiträgt.

01:06:18: Und da kann man auch nicht sagen, wir haben heute kein Geld in der Gesellschaft.

01:06:22: Diese Fünfzig Cent die hätte jeder und wenn es ein bisschen mehr ist das auch schön?

01:06:29: Und dann bewahren wir Geschichte, diese Geschichten, die das Leben schreibt und die eben als Hörbuch festgehalten werden sind ja auch ein Stück Identität, die diesen Kindern bewahrt wird nämlich wirklich diese lebenslangen Antworten Wer warst du, Mama?

01:06:47: Wer warste Papa?

01:06:50: Die man noch seinen eigenen Kindern und Enkelkindern... oder ob ich ihn vorspielen kann wenn man denn dann eine Familie gründet.

01:06:58: Und die ja nicht nur von Mama und Papa erzählen sondern die Zeitgeschichte erzählen.

01:07:04: So kostbar!

01:07:06: Dieses Geschenk wird davon wenigstens überzeugt von Jahrzehnt zu Jahrzehn kostbarer.

01:07:11: Wenn Sie sich jetzt mal vorstellen sie hätten so etwas von ihrer Urgroßmutter weil es das damals schon gab Die sind nie kennengelernt.

01:07:16: Sie würden es hören, sie würde sich anhören weil's auch eine Zeitreise wäre.

01:07:26: Und um dazu sagen wir haben unterdessen achthundert Menschen die den Start ins Familienhöhebuch in die Tonaufnahmen möglich gemacht.

01:07:35: Eine schöne Zahl ja!

01:07:37: Also ich bin da stolz drauf.

01:07:39: Das dürfen das können sie auch, das dürfen sie auch Judith.

01:07:42: Das ist achthunderte ist eine unwahrscheinliche Hausnummer und ich wünsche ihnen noch weitere Mit vier Nullen dran.

01:07:52: Es ist einfach eine wunderbare Arbeit.

01:07:54: und ja, dann habe ich so wenn ich zurückblicke werden gesagt die kam ich damals auf die Idee.

01:08:01: Habe ich das heute das Gefühl Ich hab mich mein Leben lang nur auf diese Arbeit vorbereitet.

01:08:07: also wenn ich das vielleicht noch kurz sagen darf da gehören natürlich auch im eigenen Leben viele Dinge dazu dass man so ein Hörbuchprojekt startet.

01:08:16: Ja auch dass ich selber des öfteren in meinem Leben aus der Komfortzone des Lebens rausgeflogen bin, dass ich früh dem Tod begegnet bin.

01:08:26: Dass ich viele Dinge.

01:08:28: und als ich das Pilotprojekt gestartet habe und die erste Stiftung den Staat bezahlt hat und die Universitätsklinik Bonn als Partner, als wissenschaftliche Begleitung ins Ganze gewonnen war schlug dann die Diagnose in meiner Familie ein.

01:08:47: Mein Mann bekam vom ersten Tag eine Diagnosepaliativ, unheilbar.

01:08:54: Meine Kinder waren schon bisschen größer, sie waren also schon volljährig aber es war ein Junge Erwachsene und da habe ich natürlich auch selber nochmal sehr viel gelernt.

01:09:06: ja weil ich war nämlich nicht nur Ja, die Audiobiographien, die da startet mit den ersten Hörmüchern.

01:09:13: Sondern ich war auch Angehörige.

01:09:17: und als mein Mann dann im Jahr zwei Tausend Achtzehn starb hab' ich dann... Ich war feste freie Mitarbeiterin wie man das nennt beim Deutschlandfunk bis dahin gewesen.

01:09:27: Hab' ich das alles gekündigt?

01:09:28: Und weil ich dachte so ja mein Leben liegt sowieso in Trümmern kann jetzt auch alles weg!

01:09:35: Meine Kinder haben gesagt mach eine warme Suppekrisse bei uns Die waren auch finanziell nicht mehr von mir abhängig Und dann habe ich gestartet, aber auch da sieht man wieder das Leben.

01:09:45: Ich hätte es sonst bestimmt diese Idee auch weiter verfolgt, aber nicht mit diesem Elan ja?

01:09:54: Weil aus Trauer kommt Energie, aus Schmerz kommt Mut vielleicht auch und das kommt hier alles dazu dass mein überhaupt so etwas entwickelt oder dass ich sowas entwickelt habe.

01:10:08: Mut weil Ja, sage mal eine warme Suppe kriege ich von meinen Kindern und das Leben ist sowieso irgendwie jetzt völlig aus den Fugen geraten.

01:10:16: Und das macht mich nicht zur Heldin und Gottes Willen bitte nicht missverstehen aber es kommt eben vieles zusammen ganz im Gegenteil.

01:10:22: Das Leben hat mich halt auch ein paar Mal richtig hin- und hergeschleudert und daraus kommt dann auch ja dieses Ergebnis.

01:10:31: und dass es sich auch gelohnt hat für mich weiter zu machen nicht aufzugeben jetzt nicht irgendwo sozusagen hat sowieso alles keinen Sinn mehr sondern weiterzuwachen und ja, sein Bild um was zu tun.

01:10:45: Wenn ich Ihnen jetzt vielleicht gerne noch eine persönliche Frage stellen darf, Judith, wenn Sie eine Geschichte haben die Sie besonders besonders berührt wer hört Ihnen denn dann abends zu?

01:10:55: Wenn sie Zuhause sind und vielleicht auch Ihre Stimme jemanden also ans Ohr bringen wollen Wer hört ihnen zu?

01:11:06: Ich erzähle wenig meinen Kindern Fünffache Großmutter, ich möchte meine Kinder dann nicht belasten.

01:11:13: Also die hören mir natürlich zu wenn ich Kummer habe aber nicht was das, was die Themen angeht.

01:11:20: Wer hört mir zu?

01:11:22: Ja natürlich meine Freunde Aber auch da... Ich finde immer dass es so ein belastendes oder ist auch ein Thema je nachdem was mich belastet.

01:11:32: Ich hab Freunde.

01:11:34: Ich bin durch die Psycho-Onkologin im Team Die auch mir zustehen.

01:11:39: Ich habe dann noch so, ja ich würde nicht als Zuhörer sondern als Radiergummi meiner Seele bezeichnen.

01:11:47: Ich hab mit einer Freundin zusammen einen kleinen Isländer kleines Pferd.

01:11:52: und mich da einfach drauf zu setzen und mich selber tragen zu lassen oder auch mal meine Nase in seine Mähne reinzustecken das tut auch gut Und einfach, weil ich auch da merke, da kann ich nicht mit Belastungen hingehen.

01:12:09: Da kann mir meine Seele frei rubbeln.

01:12:12: Aber da darf ich nicht gestresst hinkommen, das mögen Pferde nicht die Spiegel einwiedern.

01:12:18: Da muss ich runterfahren und das tut gut!

01:12:25: Judith habe ich Ihnen jetzt irgendeine Frage nicht gestellt, die Sie wahnsinnig gern beantwortet hätten, wo Sie gesagt haben, Claudia hat mich noch nie einer gestellt und ich wollte sie immer schon mal beantworten dann her damit?

01:12:35: Nee ... Also was mir nur einfach am Schluss nochmal wichtig ist, es ist kostenfrei.

01:12:43: Ganz ganz wichtig und ganz privat.

01:12:48: also nicht das Missverständnis dass wir das irgendwie publizieren und jeder der mag möge auf unsere Webseite gucken und wer künftig Cent übrig hat oder auch ein bisschen mehr jedes kleine pizzlichen Geld wird ganz viel Wenn es davon viele gibt, die sich berührt fühlen und vor allen Dingen Danke für die Bereitschaft.

01:13:16: Wer bisher durchgehalten und mitgehört hat, sich mit so einem schweren Thema zu beschäftigen und nicht das vielleicht zum Schluss noch sagen darf – Das Leben wird dadurch kostbar dass es so endlich ist.

01:13:28: Und man stirbt nicht schneller wenn man sich mit dem Tod auseinandersetzt Man stirbt nichts schneller Der Tod kommt nicht schneller vorbei, aber vielleicht gehen wir mit unserem Leben ein bisschen respektvoller und sorgfältiger und behutsamer um.

01:13:48: Gerade weil das Leben endlich ist, es ist ja so kostbar.

01:13:52: Weil jetzt noch ein bisschen ... Ein sehr schlauer Spruch zum Ende?

01:13:56: Aber mir ist das so wichtig zu sagen, ich hoffe, dass wird jetzt nicht in den falschen Hals genommen, sondern etwas so genommen.

01:14:02: Das Leben ist schön und gerade... beides vergänglich ist.

01:14:10: Judith, ich ende den Podcast nur ganz gerne in so einem kleinen Kaleidoskop.

01:14:14: das hat diese kleine Chance dass noch mal ein bisschen was was ihnen besonders wichtig ist war es bei mir auch so hängen geblieben ist dass wir das nochmal kurz zusammenfassen.

01:14:23: das läuft dann so ab dass ich einen Satz anformuliere und sie formulieren ihn zu Ende.

01:14:28: sind Sie zu diesem Abenteuer bereit Judith?

01:14:31: Jedenfalls!

01:14:32: Gut, ich habe mir bei Ihnen fünf überlegt.

01:14:34: Fünf anfangen!

01:14:35: Ich fange einfach mal an und judet mir... Die Stimme eines Menschen

01:14:42: ist der Spiegel der Seele und unglaublich kostbar.

01:14:47: Kinder- und Eltern

01:14:53: sind für einander ein wunderbares Geschenk.

01:14:57: Erinnerungen

01:15:01: sind kostbar und bewahrenswert Und es gibt keine Lebensgeschichten die langweilig und unbedeutend sind, nicht bewahrenswert.

01:15:13: Lieben sterben und tot.

01:15:19: Gehören zusammen.

01:15:22: Last but not least!

01:15:23: Es ist an der Zeit,

01:15:29: endlich miteinander in Frieden zu kommen um das zu sehen was uns verbindet – die Menschlichkeit und nicht das was uns spaltet.

01:15:38: Liebe Judith vielen herzlichen Dank für Ihre Zeit, für das Teilen Ihres Wissens und auch vielen herztlichen Dank.

01:15:44: dieses wunderbare Projekt.

01:15:46: Ich sage dann einfach mal bis bald.

01:15:48: Ich bin sehr berührt und ich wünsche Ihnen ganz viel Liebe, ein wundervolles Leben und viel Kraft für alles was Sie tun!

01:15:55: Danke danke und vielen Dank für ja für die schöne Einladung für die schönen Fragen Und ich habe mich sehr wohlgefühlt.

01:16:04: Danke.

01:16:12: Das

01:16:12: war eine Folge von Soziologische Perspektiven einem Podcast zu politischen und menschlichen Impulsen.

01:16:20: Ich bedanke mich herzlich fürs Zuhören und freue mich über ein Feedback zur Podcastfolge sehr.

01:16:26: Abonnieren Sie diesen Podcast gerne auf Ihrem Lieblingskanal, hinterlassen sie bitte eine Bewertung zum Beispiel bei Apple-Podcast oder Spotify!

01:16:36: Und da fällt mir noch ein weiterer wichtiger Punkt ein – Bitte empfehlen Sie diesen podcast weiter und fühlen Sie sich herzlich eingeladen, Gäste für diesen Podcast zu empfeheln.

01:16:47: Ich freue mich, wenn wir beim nächsten Gespräch wieder zusammenfinden.

01:16:51: Seh' ich auch?

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